Kein Ziel und Müßiggang!? Was 2020 bei mir anders wird…

Neues Jahr – neues Glück. 365 (diesmal sogar 366) unbeschriebene Seiten und auf jeder kannst du deine Geschichte schreiben. So liest man es derzeit wie jedes Jahr zum Jahresstart überall.

Stimmt ja auch und gleich wird in solchen Ratgebern meist auch noch der optimale Weg für dich aufgezeigt. Veganer Januar, Streak-Running, Zuckerfreiheit, ganz bestimmte sportlichen Ziele und Wettkämpfe oder ein alkoholfreies 2020 sind der Schlüssel zu deinem Glück und zu deiner Zufriedenheit!?

Auch ich habe immer wieder auf die Wichtigkeit von Zielen und auf den Erfolgsfaktor Planung hingewiesen. Sie geben dir in der Hektik des Alltags Halt und sie weisen dir den Weg nach… – ja wohin eigentlich?

Irgendwie fühlte sich diesmal bei mir schon der Dezember komisch an. Normalerweise schwirren spätestens da Ideen in meinem Kopf und auch die ersten Gedanken zur Reflexion. Taten sie auch – nur anders als sonst. Irgendwie tiefgründiger – es ging weniger um das WAS sondern viel mehr um das WARUM.

Na gut, dachte ich, schieben wir es auf die hektische Vorweihnachtszeit und warten wir auf die Tage zwischen den Jahren. Ich mag die Zeit, wenn gefühlt die halbe Welt still steht. Meist kommt da mein Gedankenkarussell so richtig auf Touren. Doch diesmal – nichts….

Neujahrsvorsätze vs. Ziele – immer noch das bessere Werkzeug

Damit wir uns nicht falsch verstehen, noch immer halte ich Ziele für eine sehr gute Sache. Im Gegensatz zu Neujahrsvorsätzen, die in den meisten Fällen nur ein frommer Wunsch bleiben. Es ist halt einfach nicht verbindlich genug, im kommenden etwas mehr Sport machen zu wollen. Aber wenn du mehr zum Thema Neujahrsvorsätze wissen willst, empfehle ich dir meinen Artikel:

Nun gut dann also Ziele. Konkret, verbindlich und auf den Punkt. Meist hatte ich schon Ende des Vorjahres ein paar sportliche Highlights im Kopf. In fast allen Fällen waren es Wettkämpfe, die meinem Trainingsjahr Struktur geben sollten.

Doch nicht nur das, ich nutzte die Wettkämpfe auch immer als Motivationsfaktor. Als etwas was mich auch dann antrieb, wenn ich eigentlich keine Lust auf Sport hatte. Jahrelang funktionierte das hervorragend, doch mit der Zeit wurde die Lust auf den sportlichen Vergleich mit mir und den anderen immer weniger. Wohl dosiert eingesetzt, machen Wettkämpfe durchaus Spaß, doch ich brauche sie nach einigen Marathons, unzähligen kürzeren Laufveranstaltungen und vielen viele Triathlons inklusive einem Langdistanz-Triathlon nicht mehr.

Bestzeiten werden altersbedingt immer schwerer bis unmöglich zu erreichen und damit wird Training immer mehr zum ungeliebten Stress für mich. Mein Anspruch an mich selbst bleibt in Sachen Wettkampf immer hoch und die Bereitschaft, diesen Anspruch mit Blut, Schweiß und Tränen im Training gerecht zu werden, wird von Jahr zu Jahr geringer. Letztes Jahr wollte ich es noch einmal wissen, holte mir sogar erstmals externe Hilfe. Fand mit den Ausdauercoaches ein tolles Trainer-Team und schaffte dennoch meine Wunschzeit beim New-York-Marathon nicht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, 2019 war ein gutes sportliches Jahr. Aber eben kein herausragendes und alles was ich wohl auch in 10 Jahren noch in Erinnerung behalten werde, ist das sensationelle Erlebnis New-York-Marathon. Wohl gemerkt: Erlebnis – nicht das Ergebnis.

Wie schaut dieses Jahr mein Reflexionstag aus?

Noch etwas machte ich in den letzten 5 Jahren jeweils zwischen den Jahren – ich legte einen Reflexionstag ein. Ich zog mich für zwei bis drei Tage in ein Business-Hotel zurück und plante mein kommendes Jahr.

Doch nicht nur das, vor allem reflektierte ich anhand eines Fragenkatalogs meine berufliche und private Situation. Ich schrieb auf, was mich bewegte, was gut lief, was schlecht und zog schließlich ein paar Schlussfolgerungen, die ich in Jahreszielen formulierte. Doch damit nicht genug – auch meine Finanzen bekamen einen Check und ich bestimmte und korrigierte meine Werte. Schließlich bestimmen Werte unsere Gedanken unmittelbar. Nichts ist auf Dauer frustrierender als gegen seine Werte und Überzeugungen arbeiten zu müssen.

Und selbstverständlich gehört der Ausdauerblog seit einiger Zeit zu diesen Reflexionstagen. Er ist schließlich ein ganz wichtiger Teil meines Lebens geworden, aber dazu im nächsten Abschnitt mehr. Wenn du das mit der Jahresplanung genauer wissen willst, empfehle ich dir meinen entsprechenden Artikel:

2020 wird diese Reflexionstage so in der Form bei mir nicht mehr geben.

5 Jahre Ausdauerblog – wie die Zeit vergeht

5 Jahre gibt es den Ausdauerblog nun schon. Wahnsinn und noch viel wahnsinniger ist, dass aus dem kleinen Hobbyprojekt ein Business geworden ist, welches einen nicht unwesentlichen Teil zu meinem Einkommen beiträgt.

Das brachte mich dazu, meinen Hauptjob zu kürzen und mich noch mehr dem Blog widmen zu können. Genutzt habe ich die zusätzlich Zeit so semi-optimal. Ich habe nicht unbedingt viel mehr am Blog gearbeitet, dafür aber deutlich stressfreier gelebt. War nicht mehr gezwungen, jeden Morgen (und auch meistens abends) einige Stunden intensiv am Blog zu arbeiten, sondern konnte das kompakt auf meine freien Tage legen. Tat gut!

Die deutlichste Veränderung im Ausdauerblog war 2019 der Podcast „Endlich mehr Sport“, den ich endlich ins Leben gerufen habe. Das war vielleicht eine schwere Geburt, aber spätestens seit der X-Mas-Challenge mit den täglichen Episoden im Dezember, darf ich mich endgültig Podcaster nennen.

Und weil mir das Medium so viel Spaß macht, wird es 2020 auch ein neues Projekt zusammen mit Jahn von Fitvolution geben. Wir möchten mit einem Podcast zur Fibloko anderen Bloggern, Trainern und Influencern aus der Sport- und Fitnessbranche helfen, online ihre Message besser an den Mann oder die Frau zu bekommen. Eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt, denn die vielen glücklichen Nachrichten zufriedener Kursteilnehmer und Blogleser sind für mich die allerbeste Währung.

Es ist und bleibt eben was ganz besonderes, wenn man das Leben eines Menschen positiv beeinflussen darf.

Und was machst du nun 2020 anders?

Aber genug des Rückblicks: „Was machst du nun konkret anders?“, wirst du dich jetzt sicher fragen. Vordergründig sind das zwei Dinge – erstens plane ich mein sportliches Jahr nicht mehr nach Wettkämpfen und zweitens werde ich quartalsweise Zeit für Reflexion finden und nicht mehr nur einmal im Jahr.

Der Jahresstart wird wahrscheinlich auch als ein gewisser Vorwand genutzt, um mal über sich nachzudenken. Wie beschrieben, habe ich das jahrelang auch so gemacht. Klar besser als gar nicht zurück und voraus blicken, wie es so viele tun. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich alles immer schneller verändert und ich mag mich nicht durchs Leben treiben lassen.

Lieber bin ich Pilot meines eigenen Lebens und so setze ich mir ganz konkrete Termine der Reflexion und groben Planung, die eher Schwerpunkten gleicht. 2020 will ich endlich wieder einmal eine längere (und weitere) Reise unternehmen. Im Spätsommer / Frühherbst soll es nach Kanada gehen. Einen Traum, den ich schon lange mit mir herum trage.

Und ich möchte andererseits weniger planen und so spontaner entscheiden können. Wie zum Beispiel für eine Ski-Woche Ende Februar. Oder eine Bergtour an einem meiner freien Tage, wenn die Wettervorhersage passt. Möchte statt einem Training mit Vorgaben zu absolvieren, lieber eine längere MTB-Tour inklusive Biergartenbesuch unternehmen. Einfach mal ein Buch lesen, wenn ich eigentlich am Blog arbeiten sollte oder einfach mal keinen Sport machen, wenn ich einfach mal nix tun will.

Wettkämpfe sind keine Priorität

Diese Schwerpunkte sind auch der Grund, warum ich 2020 kaum Wettkämpfe bestreiten werde. Noch schaffe ich es nicht, ohne sportlichen Ehrgeiz zu solchen Events anzutreten. Also lasse ich es lieber gleich bleiben. Da ich Anfang April in Berlin zum Halbmarathon bereits angemeldet bin, wird das zu meinem Experimentierfeld. Gelingt es mir dort, einfach ein schönes und sportlich entspanntes Wochenende mit hoffentlich vielen Bekannten aus unserer Facebook-Gruppe „Endlich mehr Sport“ hinzubekommen, dürfen gern noch ein paar mehr spontane Wettkämpfe erfolgen. Wenn nicht – genieße ich den Sport ohne Leistungsdruck und ohne Wettkämpfe.

Denn das ist klar – Sport ist ein wichtiger Faktor in meinem Leben geworden. Ein Leben ohne sportliche Bewegung ist für mich unvorstellbar und so brauche ich die Wettkampfziele einfach nicht mehr, um mich motivieren zu können. Deshalb möchte ich 2020 200x Sport machen. Konkret heißt das, dass es jede Woche im Schnitt 4x Sport geben soll und das mit der maximal möglichen Abwechslung. Ich möchte wieder mindestens eine neue Sportart entdecken, werde nach Lust, Laune und Witterung laufen, Rad fahren, wandern und noch vieles vieles mehr…

Ohne Ziel geht es dann wohl doch nicht…

Du siehst, ohne Ziel geht es bei mir doch nicht. 200x Sport in 2020 ist ein konkretes Ziel, ist ambitioniert und trotzdem realistisch. Und es ist mit jeder Menge Spaß und Abwechslung verbunden. Getreu meinem Jahresmotto für 2020: „Weniger Druck, weniger Zwänge und dafür mehr kleine Genuss- und Glücksmomente.“

Übrigens gilt das für alle Lebensbereiche. Irgendwelche neuen oder alten Ernährungsformen, Verzicht auf Alkohol und Müßiggang, maßlose Mäßigung oder irgendwelcher anderer Selbstoptimierungswahn wird es mit mir 2020 ganz sicher nicht geben. Das ist mein Neujahrsvorsatz – auch wenn der nicht so leicht umsetzbar ist. Doch ich gebe alles. Versprochen!

„Wir dürfen niemals vergessen: Unsere vornehmste Aufgabe ist es zu leben.“ Michel de Montaigne (1533–92)

Dein Torsten

PS: Wenn ich dir beim Erreichen deiner sportlichen Ziele behilflich sein soll, dann schreibe mir doch eine E-Mail an info@ausdauerblog.de

Über den Autor: Torsten Pretzsch

Ich bin 2008 von der Couch aufgestanden, um ein sportlicheres Leben zu führen. Begonnen mit einer Laufrunde von 15 Minuten lief ich Jahre später Marathon und absolvierte einen Ironman.

Als Führungskraft und Projektmanager war dieser Weg nur durch gutes Selbstmanagement möglich.
Hier im Blog unterstütze ich dich, endlich mehr Sport zu machen. Mehr über mich…

*Affiliate-Links – du bekommst ein gutes Angebot natürlich ohne Zusatzkosten für dich und ich finanziere damit den Blog.

4 Kommentare

  1. Lieber Torsten,

    danke,d ass Du hier so ehrlich und reflektiert bist und auch Deine frühere Herangehensweise in Frage stellst. Mein Gefühl sagt mir, dass ich 2019 ganz schön verkrampft war in Bezug auf Zuckerfreiheit, regelmäßig Laufen etc. Schon zwischen den Tagen bin ich nun sportlich mal kürzer getreten, und habe auch mal den einen oder anderen Dominostein genossen – was ich leider gleich wieder auf den Hüften merke…. mal sehen, wie ich damit umgehe. Danke für Deine Inspiration! Alles Liebe

    • Bitte und gerne Anja – und ja ich bin da ehrlich und transparent. Und da gehört es eben auch dazu, paar alte Dinge zu hinterfragen und ggf. zu ändern.

      Viel Erfolg auf deinem Weg – gibt ja noch ein Zwischending zwischen Askese und Exzess 😉

      Liebe Grüße Torsten

  2. Hallo Torsten,

    ich habe das schon mitbekommen und verfolge die Aktivitäten zum baldigen Sport- und Fitnessblogger FiBloKo Podcast von dir und Jahn etwas über die FiBloKo Instagram Stories und habe gesehen, dass ihr kürzlich wieder etwas erarbeitet habt, was es vielleicht bald zu hören oder zu sehen geben könnte. Die Idee mit dem Podcast finde ich super und freue mich darauf. Gibt es schon einen Starttermin?

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