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Mentaltraining im Sport: Mit mentaler Stärke ans Ziel

Mentaltraining

Ein Gastbeitrag von Antje Heimsoeth: 

Keiner von uns ist jeden Tag aufs Gleiche motiviert, um zu trainieren. Nicht bei jedem Wettkampf ist man gut drauf. „Heute ist nicht mein Tag“ lautet dann oft die Begründung. Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein Sportler angesichts eines Wettkampfs nicht seine volle Leistung abrufen kann:

  • hoher Erwartungsdruck (erzeugt von sich selbst und anderen)
  • Angst vor Versagen
  • Angst vor Ablehnung oder Kritik
  • Angst vor Zuschauern, Medien, Presse und Öffentlichkeit
  • Angst vor dem Erfolg und seinen Folgen
  • mangelnde Konzentration wegen vorangegangener schlafloser Nacht usw.

Mit Hilfe mentaler Techniken kannst du deine innere Haltung, Leistung und deine Motivation gezielt beeinflussen – und das kann am Tag X von entscheidender Bedeutung für deine Performance sein.  Mentaltraining arbeitet ganzheitlich und richtet den Fokus u.a. auf individuelle Stärken, positive Eigenschaften und Ressourcen. Damit  sorgst du  für physische und psychische Stabilität.

Es geht im Mentaltraining darum, sich gedanklich auf Situationen vorzubereiten, das Denken zielgerichtet zu beeinflussen, den eigenen Zustand zu optimieren. Denn jedes Handeln nimmt im Geist (lat. „mens“ = Geist, Verstand, Intellekt) seinen Ursprung.

Deine Energie folgt den Gedanken

Negative Gedanken führen u.a. zu Muskelverspannungen, hemmen den Bewegungs- und Atemfluss und können sogar in leichten Schmerzen münden. Das Zusammenspiel der an Bewegungen beteiligten Muskelgruppen gerät ins Stocken, der Bewegungsfluss geht verloren und das Ergebnis wird zum Zufallsprodukt.

Die Muskelspannung ist viel zu hoch, die falschen Muskeln sind zum falschen Augenblick aktiviert. Gedanken bewirken also körperliche Reaktionen, sie können uns verkrampfen, aber auch entspannen lassen. Positive Gedanken, positive Wörter und Lachen lockern die Muskulatur und führen zu einer veränderten Sicht der Dinge.

Mentaltraining: Stein für Stein zum starken Haus

Ob ich als Sportler erfolgreich bin, hängt nicht allein von meiner körperlichen Verfassung, meiner Technik, Ausrüstung, Ernährung, Taktik und Strategien ab, sondern – und das unterschätzen noch immer viele – auch von meiner mentalen und emotionalen Stärke.

Was macht mentale und emotionale Stärke aus? Jim Loehr, Pionier der Sportpsychologie, sagt: „Mentale Stärke ist die Fähigkeit, sich ungeachtet der Wettkampfbedingungen an seiner oberen Leistungsgrenze zu bewegen.“ (Loehr, S. 21).

Mentale und emotionale Stärke hat für mich viele kleine und große Bausteine, die zusammen ein starkes Haus bilden, das Stürmen trotzen kann und nicht beim ersten Windhauch ins Wanken gerät. Dazu zählen die innere Einstellung zu sich und dem Wettkampf, Selbstvertrauen, der souveräne Umgang mit Selbstzweifeln und Niederlagen, die Fähigkeit der Konzentration, das Ausblenden von Störfaktoren, die Beeinflussung und das Regulieren von Emotionen und Gedanken, die Gelassenheit in Stresssituationen, der Einsatz von Routinen und Ritualen, die Unterstützung aus dem Umfeld und nicht zuletzt der Spaß am Sport.

Wenn wir lieben, was wir tun, beflügelt es uns – wir sind im Flow. Und in diesem Zustand kann ein Sportler seine Höchstleistung abrufen.

Energie ist die Kardinalwährung der Höchstleistung (Jim Loehr)

Bei länger andauernden Belastungen ist das Durchhaltevermögen von großer Bedeutung. Mit entsprechender mentaler Stärke können sich Sportler im Finale sogar noch steigern.

Auch die Regenerationsfähigkeit lässt sich mit Hilfe mentaler Techniken fördern. Wenn zwischen den Wettkämpfen nur kurze Pausen sind, sinkt deine Leistungsfähigkeit. Wenn du hier in der Lage bist, deine Regenerationszeit zu verkürzen und die Regenerationswirkung stark zu erhöhen, bist du klar im Vorteil.

Mit Hilfe von Mentaltraining kannst du deine innere Haltung, Leistung und deine Motivation gezielt beeinflussen. Antje Heimsoeth erklärt wie das geht.

Im Kopf üben hilft für die Praxis

Mentales Training ist auch hilfreich beim Erlernen eines korrekten Bewegungsmusters. Neue Bewegungsabläufe werden über die geistige Vorstellung (Kopfkino) viel schneller richtig erlernt und automatisiert. Du lernst, dir Bewegungsabläufe genau so vorzustellen, wie sie in der Realität ablaufen. Deine Nerven, Muskeln, Bänder und Sehnen reagieren in feinerer Form auf dieselbe Art und Weise wie beim wirklichen Bewegungsvorgang.

Im Wettkampf kannst du diese Bewegungsabläufe auch unter hoher nervlicher Belastung sicherer anwenden, denn dein Körper reagiert genauso, wie du es dir mental vorgestellt hast. Solche Visualisierungen müssen allerdings intensiv geübt werden, sonst wirken sie nicht.

„Der Kampf um den Sieg wird per Selbstgespräch geführt.“ (Hans Eberspächer)

Nahezu alle Trainer und Sportler, mit denen ich gearbeitet oder mich ausgetauscht habe, sind überzeugt, dass mindestens 50 Prozent des sportlichen Erfolgs mental bedingt sind. Die meisten Sportler wenden aber keine fünf Prozent ihrer gesamten Trainingszeit dafür auf, um die mentalen Fähigkeiten zu verbessern. Fakt ist: Rund 85 Prozent unserer Gedanken sind negativ und haben oftmals eine destruktive Wirkung.

Die Qualität unseres inneren Dialogs – ob also diese unkontrollierten Gedanken vornehmlich negativ oder positiv sind – bestimmt ganz entscheidend über Erfolg, Lebensqualität und Zufriedenheit. Der ehemalige Radextremsportler Wolfgang Mader sagt dazu: „Es gibt keine negativen Gedanken, die man nicht nur durch den Ersatz von positiven Gedanken verdrängen kann. Sich vorzunehmen, die negativen Gedanken nicht aufkommen zu lassen, funktioniert nicht. NICHT an etwas zu denken, geht nicht. Ich kann die negativen Gedanken aber durch positive ersetzen.“ (Heimsoeth, Sportmentaltraining, 2015, S. 74). *

Positive Gedanken stärken dich, bauen dich auf, machen dich sicherer. Mit anderen Worten: Sie unterstützen dich. Nutze das!

Die Macht der Gedanken

Gedanken beeinflussen Gefühle – und wir wissen, dass positive wie Freude, Spaß, Genuss, Lust am Leistungsvergleich usw. am ehesten Höchstleistung fördern. Ebenso will der Umgang mit Niederlagen gelernt sein. Negative Emotionen wie Eifersucht, Missgunst, Ärger oder Rachgelüste sind bekannt dafür, im Sport zu schlechten Leistungen zu führen. Negative Gedanken erzeugen negative Emotionen. Und das führt in die falsche Richtung. Falle niemals darauf herein.

Ein mental starker Sportler würde lachen, den Kommentar eines Gegners oder Begleiters runterschlucken und weitermachen. Konzentriere dich rein auf den Sport. Es ist wesentlich besser, der mental starke Sportler zu sein, der sein Denken auf seine Aufgabe konzentriert, und nicht auf die Leistung und das Agieren anderer Sportler. Du hast den stärksten Computer der Welt zur Verfügung: deine Gedanken. Stelle also sicher, dass dein Bio-Computer richtig programmiert ist.

Denke daran, dass dich niemand aufhalten kann, außer du selbst. Halte deine Gedanken immer positiv, optimistisch, zuversichtlich und kraftvoll (ohne sich selbst dabei etwas vorzumachen). Verlierer spielen dagegen in Gedanken das eigene Versagen durch.

Verwendete Literatur:

Antje Heimsoeth. Sportmentaltraining. pietsch, Stuttgart, 2015, S. 21-34, 74. *

James E. Loehr. Persönliche Bestform durch Mentaltraining für Sport, Beruf u. Ausbildung. BLV 1991, S. 21.

antje_heimsoethÜber die Autorin:

Antje Heimsoeth, Expertin für Selbstführung, Mentale Stärke und Motivation, Dipl. Ing. (FH), gehört zu den bekanntesten Mental Coaches und Vortragsrednerinnen im deutschsprachigen Raum.

Seit 2003 führt sie in Rosenheim ihr Institut, die Heimsoeth Academy, wo sie Seminare, Ausbildungen und Coachings in den Bereichen Business, Gesundheit und Sport anbietet. Sie wurde mit „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ ausgezeichnet und erhielt den Award „Erfolgreiche Unternehmerin“.

Antje-Heimsoeth-Sportmentaltraining-250-neuIhr Praxiswissen hat Antje Heimsoeth bereits in mehreren Büchern niedergeschrieben. Für „Sportmentaltraining“* sprach die Autorin mit ehemaligen Spitzensportlern wie Oliver Kahn, der auch das Vorwort schrieb, mit aktiven Spitzensportlern wie Faris Al-Sultan, Marinus Kraus und Paul Eckert sowie mit ehemaligen wie aktiven Trainern über deren Selbst- und Führungsmanagement.

Infos: www.antje-heimsoeth.com, www.sportmentaltraining.eu

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5 Kommentare

  1. Mentaltraining ist im Grunde Training des Geistes. Es bringt einem bei seine Gedanken und Gefühle besser zu verstehen. Man lernt wie Gedanken und Gefühle funktionieren, welchen Einfluss sie auf uns haben und wie wir Einfluss auf sie nehmen können und so zu mehr Gelassenheit und Glück zu gelangen. Mittels verschiedener Methoden kann man lernen schlechte Verhaltensmuster zu durchbrechen und seine innere Einstellung zum Positiven zu wenden. Mentaltraining ist also eine Art Hilfe sich und seine Umwelt besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Wenn wir uns in unserer Umwelt Gehör verschaffen wollen, müssen wir die entsprechende Kommunikationsebene finden wo wir uns am besten ausdrücken können. Um die optimalen Voraussetzungen dafür zu schaffen, sollen wir darauf achten unsere Wahrnehmungsfähigkeiten, seien sie auditiv, visuell oder kinästhetisch, zu schärfen um so die Botschaften die uns entgegenkommen richtig zu deuten und dementsprechend auch darauf zu reagieren. Ein Kommunikationstraining hilft oft die Wahrnehmungsfähigkeit auszubauen, so dass wir stets bereit sind die richtigen Signale zu senden oder zu empfangen

  2. Ich stimme dem Kommentar zu. Mentale Stärke ist das Wichtigste überhaupt. Wer mental nicht stark ist, wird sich in keinem Lebensbereich beweisen können.
    Ich selbst habe das Mentale Training vor Jahren entdeckt und praktiziere es täglich. Nicht nur im Sport – betreibe Sport nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch im Arbeits- und Familienleben. Es ist wirklich beeindruckend, welche Ergebnisse man erzielen kann. Unser Unterbewusstsein ist eine große Waffe, die uns nach vorne bringen kann.

  3. „Denke daran, dass dich niemand aufhalten kann, außer du selbst.“ – Motivation pur! Wenn man an sich glaubt kann man alles schaffen. Und besonders im Sport ist die mentale Verfassung ebenso wichtig wie die körperliche Verfassung. Als Sportler kann ich das bestätigen. Wenn man vor dem Wettkampf schon sagt, “ heute ist nicht mein Tag“, kann das nichts werden.
    Der Artikel hat es sehr gut zusammengefasst, was für eine immense Bedeutung mentale Stärke hat! Sind wir mental stark, dann können wir auch viel bewegen. Vor Jahren war ich oft nervös und ziemlich angespannt vor Wettkämpfen. Und ich stand mir selber im Weg… Mit Hilfe eines Mentaltrainers konnte ich erlerne meine mentale Stärke zu benutzen, Selbstbewusstsein aufzubauen und somit erfolgreich sein. Der Weg zum Erfolg führt an der mentalen Stärke!

    Vielen Dank für den überaus informativen Beitrag, der es geschafft hat mich zu motivieren!
    Viele Grüße!

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