Kannst Du einer Erkrankung wie Krebs einfach davonlaufen?

Krebs Sport

Ein Gastbeitrag von Beatrice Drach:

Vermutlich stellt Du Dir jetzt die Frage, was Krebs hier im Ausdauerblog zu tun hat. Eine Krankheit, die Du sicher primär nicht mit Sport in Verbindung bringen wirst.

Ein sehr ernstes Thema, eines, das Dir sicher oft Unbehagen und Angst bereitet. Wann immer ich bei Vorträgen folgende Frage stelle: “Wer in seinem Umfeld jemanden kennt der an Krebs erkrankt war oder ist, hebe jetzt bitte die Hand?“ sind es immer mindestens 10% aller Anwesenden, die ihre Hand heben. Krebs geht uns alle an.

Am 4.Februar ist Weltkrebstag.

Der Weltkrebstag findet jährlich am 4. Februar statt und hat zum Ziel, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Er wurde 2006 von der Union internationale contre le cancer, der Weltgesundheitsorganisation und anderen Organisationen ins Leben gerufen. (WIKIPEDIA)

Der vorliegende Artikel ist mein Beitrag zum Weltkrebstag, um die Bedeutung von körperlicher Aktivität als mögliche Tumorprävention ein Stückchen bekannter zu machen.

Kann Sport vor Krebs schützen?

Mein Mann ist Onkologe und eine sehr häufig gestellte Frage in unserer Praxis ist jene, ob man sich nicht irgendwie vor Krebs schützen kann.

Sehr oft liegt eine genetische Veranlagung vor, die völlig unbekannt ist und eines Tages zum plötzlichen Auftreten einer Krebserkrankung führt. Das genetische Risiko können wir leider nicht beeinflussen.

Bei zumindest 25% aller Tumorerkrankungen ist allerdings der Lebensstil ausschlaggebend für das Auftreten der Erkrankung.

Hier können wir ganz bewusst in unser Risikoprofil eingreifen: Alkohol, Nikotin, falsche Ernährung sowie ein sitzender Lebensstil gelten als gesicherte Risikofaktoren für das Auftreten vieler Krankheiten – AUCH für Krebs. Die gute Nachricht: 15% aller Krebstodesfälle könnten durch regelmäßige körperliche Aktivität verhindert werden. Bei Darmkrebs und Brustkrebs beträgt die Risikoreduktion sogar ca. 25%.

Zuviel Sitzen macht krank – was ist die Alternative?

Die negativen Effekte vom vielen Sitzen sind uns ja soweit bekannt; Forscher haben aber vor einigen Jahren folgendes festgestellt: Das Risiko für Darmkrebs, Lungenkrebs sowie einem Karzinom der Gebärmutter steigt mit jeder zusätzlichen Stunde, die nur sitzend verbracht wird.

Dabei ist es allerdings leider völlig irrelevant, ob im Laufe des Tages noch Sport betrieben wird oder wurde – einzig das lange Sitzen über einen längeren Zeitraum führt zu diesem erhöhten Krankheitsrisiko. (JNCI Natl.Cancer Institute 2014)

Ich muss Dir gestehen, dass ich auch sehr oft die Zeit übersehe, wenn ich (so wie jetzt) gerade intensiv am Schreiben bin. Ich stelle mir am Handy meistens einen Alarm, der mich jede Stunde daran erinnert, eine kurze Pause zu machen.

Daher: immer wieder zwischen den Bildschirmzeiten kurz aufstehen, zum Drucker gehen, während des Fernsehens die Pause für eine kurze Bewegungseinheit nutzen (oft reicht es ja schon zur Toilette zu gehen).

Wieviel Sport zur Vorbeugung?

Die Frage, die Du Dir nun sicher stellst ist: Wieviel Bewegung ist denn jetzt notwendig, um wirklich vorbeugen zu können? Wir alle haben viel zu tun, und leider ist die Zeit für Sport manchmal knapp.

Die Empfehlungen der Experten lauten:150 Minuten moderate Form der Bewegung pro Woche; das wären 30 Minuten an fünf Tagen der Woche. Du kannst Alltagsaktivitäten wie langsames Rad fahren, spazieren gehen und arbeiten im Garten dazu zählen. Du kannst auch mehrere kleine Bewegungseinheiten von etwas 15 Minuten ausführen, das ist oft einfacher unter zu bringen.

ODER

75 Minuten intensives Training pro Woche, dazu zählen dann: Joggen (ca.9 km/h), sehr zügiges Rad fahren, intensives Krafttraining. Natürlich kannst Du moderates und intensives Training auch miteinander kombinieren.

Du bist also als Ausdauersportler/in auf einem sehr guten und gesunden Weg, eine ganz aktive Krankheitsprävention zu betreiben. *1

Kann ich Sport machen, wenn ich an Krebs erkrankt bin?

In den meisten Fällen: JA

Mittlerweile sind auch hier die Studiendaten mehr als eindeutig. Körperliche Aktivität hilft, zahlreiche Nebenwirkungen einer Krebstherapie zu lindern. Eine häufige ist das sogenannte Fatigue Syndrom – eine bleierne Form der Müdigkeit, die einen Großteil der Patienten unter Chemotherapie und / oder Strahlentherapie quält. Regelmäßige Bewegungseinheiten (in kleinen Dosierungen von 15 Minuten) können dabei helfen, das Fatigue Syndrom zu lindern. Das Medikament Bewegung kostet nichts und kann jederzeit eingenommen werden.

Mittlerweile gibt es einige Kliniken, welche sich auf die Onkologische Rehabilitation spezialisiert haben, und maßgeschneiderte Bewegungskonzepte anbieten. Für die Zeit nach dem Reha Aufenthalt, wäre es empfehlenswert sich einen Therapeuten zu suchen, der hier Zusatzausbildungen in der Onkologischen Trainingstherapie hat. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, kann auch während der Phase der Chemotherapie Sport betrieben werden – wichtig ist es hier, den Körper nicht zu hohen Belastungen auszusetzen und an den Tagen der Chemotherapie zu pausieren.

Ich wollte Dir mit diesem Artikel keinesfalls Angst vor Krebs machen: ganz Im Gegenteil! Vielleicht helfen Dir die Fakten über die positiven Effekte von körperlicher Aktivität an jenen Tagen, wo der Schweinehund zu gewinnen droht. Vielleicht hilft dieser Artikel Dir auch dabei, Freunde und Bekannte für Sport zu begeistern – Eurer Gesundheit zu liebe.

Wenn Du Fragen zum Thema hast, dann kannst Du Dich jederzeit bei mir unter: training@drachquadrat.at  melden.

beatrice drachÜber die Autorin:

Mag. Béatrice Drach- Schauer, MPH

Sportwissenschaftliche Beraterin, Mental und Gesundheitscoach, Vortragende im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention, Zusatzausbildung: Onkologische Trainingstherapie

Seit über 20 Jahren bin ich in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens tätig; es lag daher irgendwann auf der Hand, mein Hobby (die Bewegung) mit meiner Erfahrung, dem medizinischen Know-How sowie meinen zahlreichen Ausbildungen zu verbinden.

Meine größte Leidenschaft ist es, Dich dazu zu motivieren und zu unterstützen, auch mit wenig Zeitaufwand ein körperlich und mental fittes Leben zu führen.

Privat liebe ich das Laufen, TRX-Training, Pilates und Yoga sowie Spaziergänge mit meinem Hund.

Mehr über mich findest Du auf

www.beatrice-drach.com oder www.drachquadrat.at

Auch auf Facebook findest Du mich.

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*1 http://www.cancer.org/healthy/eathealthygetactive/acsguidelinesonnutritionphysicalactivityforcancerprevention/index

2 Kommentare

  1. Liebe Beatrice,

    2010 war ich eine kleine Frau mit viel zu viel Gewicht. Es waren um genau zu sein 25 kg zuviel und mit 45 Jahren bekam ich langsam aber sicher Panik das nie wieder los zu werden. Die Panik hat gereicht, dass ich mir zwei Nordic Walking Stöcke gekauft habe und auch gleich einen ersten Trainerschein für Nordic Walking gemacht habe. Bis Ende 2011 hatte ich mit Walking und Ernährungsumstellung die ersten 15 Kilos los. Ich begann zu laufen und Rad fahren und 2013 bin ich in Düsseldorf 8 km bei einem Marathon mitgelaufen. Wow, ich weiß nicht wieviel Tausend Läufer das waren. Es war für mich der absolute Hammer, ich Bewegungslegasteniker bin 8 km am Stück, d. h. im Ganzen, ohne Pause gelaufen! Toll war das, aber viel besser als die 8 km war die Erfahrung 2014 im Februar, nach einer schweren Tumorperation mit einer ca. 40 cm langen Bauchnarbe als Ergebinis, konnte ich 24 Std. nach der OP das erste mal aufstehn und alleine ins Bad gehen, meine Beine haben alles was mein Oberkörper nicht halten konnte ausgeglichen. Nach zehn Tagen, habe ich das Krankenhaus verlassen und bin bis heute gesund. Der Tumor war so groß, dass ich davon ausgehe, dass er 2010 schon da war. Die Bewegung war und ist für mich ein Lebensretter, körperlich, seelisch und mental bildet sie meine Basis. Nach und nach baue ich mich wieder auf und ich spiele mit dem Gedanke beim Womensrun in München, dieses Jahr anzutreten.

    Bewegung kann nicht alles verhüten, es ist ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, die einen Tumor zum wachsen bringen, Bewegung hilft aber sicher schneller und leichter gesund zu werden und bei einem hohen Wohlfühlfaktor zu leben.

    • Vielen Dank für Dein Kommentar ! Du hast vollkommen recht.- Bewegung kann nicht jede Krankheit ( oder Tumor) verhindern.- aber einige. Und alleine, so wie Du es beschreibst , die Steigerung der Lebensqualität ist so viel Wert. Alles Gute weiterhin für Dich!. Herzliche Grüße aus Wien Beatrice

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