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Weshalb Du niemals Deinen Schweinehund bezwingen solltest und was Du stattdessen tun kannst

Ein Gastbeitrag von Jana Ritzen

Wenn Du seit geraumer Zeit vorhast, Sport zu einem festen Bestandteil in Deinem Leben zu machen, und nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS greift, was Deinen Schweinehund dauerhaft vom Sofa reißt, dann hilft Dir vielleicht ein anderer Blick auf Sport im Allgemeinen und auf die von Dir gewählte Sportart im Speziellen.

Wie wäre es, wenn Du Sport nicht nur als reine körperliche Betätigung betrachtest, mit der Du Deine Konturen straffen, Dein Gewicht reduzieren, Krankheiten vorbeugen, Stress abbauen und Deine Leistungsfähigkeit auf Vordermann bringen kannst? Diese Gründe findet Dein Schweinehund nämlich sowas von dröge und laaaaaangweilig.

Kannst Du Dir vorstellen, das Sport eine Möglichkeit ist, einem ganz bestimmten Gefühl in Deinem Leben Ausdruck zu verleihen?

Vielleicht magst Du Dich versuchshalber auf den Gedanken einlassen, dass hinter jeder Entscheidung für eine ganz bestimmte Sportart eine ganz bestimmte (unbewusste) Intention steckt. Ein übergeordneter Sinn sozusagen.

Das Laufen bietet dafür ein sehr anschauliches Beispiel. Laufen ist unser natürlicher Ausdruck für Freude oder Angst.

Die Intention zum Laufen kann also entweder ein Weglaufen, ein Hinlaufen oder ein Hinterherlaufen sein. Dieses Bild ist übertragbar auf alle anderen Sportarten.

Mit welcher Intention hast Du Dich für Deine Sportart entschieden?

Liegt Dein Antrieb eher darin, aus einer Situation, die Dir Angst bereitet, auszubrechen? Hast Du vielleicht Angst, unattraktiv, dick und krank zu werden? Und dadurch die Menschen in Deinem Umfeld und/oder Deine Unabhängigkeit zu verlieren? Dann wäre Dein übergeordneter Sinn das Weglaufen.

Oder hast Du Lust auf eine neue Herausforderung? Bist Du neugierig, willst Deine Grenzen testen, etwas Neues ausprobieren und schauen, wozu Du alles fähig bist? Dann wäre Dein übergeordneter Sinn das „Auf-etwas-zu-laufen“.

Oder rennst Du vielleicht etwas hinterher? Z.B. indem Du Dir eine Sportart ausgesucht hast, zu der Du eigentlich keinen Bezug hast? Die Du vielleicht sogar nicht mal magst, jedoch keine bessere Idee hast oder denkst, „Jeder macht das, also kannst ich’s ja auch machen.“

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, wie Menschen zu ihrer Sportart kommen. Nicht immer jedoch ist es dann auch wirklich IHR Sport.
„Ich geh mit meinem Mann mit, damit wir was gemeinsam machen.“ „Meine beste Freundin wollte nicht alleine da hin, also bin ich mit.“ „Meine Eltern haben mich da immer mit hin genommen.“ Mein Bruder hat das immer gemacht und irgendwann bin ich dann mal mit.“ „Meine Mutter/mein Vater wollte, dass ich das mache.“ usw.

Warum machst du den Sort, den du machst?

Wie schaut’s bei Dir aus? Hast Du Deine Sportart selbst gewählt? Warum? Was an dieser Sportart kickt Dich so richtig? Welchen persönlichen Bezug hast Du zu ihr? Welches Lebensgefühl drückt sie aus?

Als Du das erste Mal von ihr hörtest, hast Du da glänzende Augen bekommen und etwas in Dir drin schrie begeistert: „ICH WILL DAS AUCH U-N-B-E-D-I-N-G-T MACHEN!!!!!!“
Wirst Du hibbelig, wenn Du ans nächste Training denkst? Freust Du Dich jetzt schon auf den Moment, in dem Du bestimmte technische Elemente Deiner Sportart (besser) beherrschen wirst und malst Dir aus, was Du DANN alles machen können wirst?

Wenn Du keine dieser Fragen mit JA beantworten konntest, dann gratuliere ich Dir: Du hast gerade herausgefunden, dass Du die falsche Sportart für Dich gewählt hast.

"Ich muss meinen Schweinehund bezwingen!" ist der falsche Ansatz. Mach ihn statt dessen zu deinem Spaß-Minister und du wirst erfolgreich sein.

Versuche NIEMALS Deinen Schweinehund zu „bezwingen“ oder zu „besiegen“

Wenn Du Deinen Schweinehund mit ins Boot holen willst und keine Lust darauf hast, Dich mit Selbstdisziplin und eisernem Willen zu geißeln oder Dich selbst dauerhaft darin zu bestätigen, dass Du es einfach nicht drauf hast, DANN bleibt Dir gar nichts anderes übrig, als Dir eine Sportart zu suchen, die Dir so viel Spaß bringt, dass Dein Schweinehund freiwillig das Sofa verlässt.

Und wenn ich Dir einen Rat mitgeben darf, dann diesen: Versuche NIEMALS Deinen Schweinehund zu „bezwingen“ oder zu „besiegen“. Damit erhöhst Du das Risiko, Dich in eine Überforderung und im schlimmsten Fall in ein Burnout zu manövrieren. Sei versichert, ich weiß, wovon ich spreche.

In 27 Jahren Hochleistungssport lernte ich beide Wege kennen. Und glaube mir, der spaßige ist der schönere, leistungsfähigere und gesündere Weg. Und nur für den Fall, dass Du darauf stehst: Auch auf dem spaßigen Weg kommst Du durch Täler, durch die Du Dich durchbeißen musst, weinst Tränen der Erschöpfung und tust Dir manchmal schwer, zum Training zu gehen. Das gehört einfach dazu und ist Teil des Ganzen.

Wähle den passenden Sport für dich

Doch genau für diese Phasen und Momente ist es so wichtig, aus welcher Intention heraus Du Dich für Deinen Sport entschieden hast. Wenn es DEIN Sport ist, dann behältst Du das Ziel im Auge und lässt Dich nicht abbringen. Auch Dein Schweinehund bleibt Dir in solchen Phasen verhältnismäßig treu. Er weiß ja, wofür Du das alles tut und kennt die Belohnung am Ende. Und DEN Spaß, den will er sich am Ende nicht entgehen lassen.

Doch wenn Du Deinen Blick nach hinten oder zur Seite gerichtet hast, weil Du von etwas weg möchtest oder schaust, was andere machen, dann stellt Dir Dein Schweinehund ein Bein. Anfänglich macht Dein Schweinehund da noch mit, weil es neu ist. Und Neues verspricht grundsätzlich erstmal Spaß.

Schaffst Du es allerdings nicht, Deinen Fokus innerhalb einer bestimmten Zeit (das ist schweinehund-abhänigg) nach vorne zu richten, dann ist er schnell gelangweilt und weiß nicht, wofür er sich so anstrengen soll. Eines Tages krank oder dick zu werden ist ihm zu abstrakt. Und tun was andere tun ohne wirklich Spaß daran zu haben, ist sowieso nicht seine Sache.

Mach Deinen Schweinehund zum Spaß-Minister

Vergiss nicht, Dein Schweinehund ist Dein Spaß-Minister. Und dafür solltest Du ihn wertschätzen! Letztendlich ist er derjenige, der Dir Leistung ermöglicht, ohne Raubbau an Dir zu betreiben und krank zu werden. Hol Dir also Deinen Spaß-Minister ins Boot, indem Du Dir folgende Fragen beantwortest:

  1. Hast Du die richtige Sportart für Dich gewählt? Eine, die Dich so richtig kickt und bei der Dein Herz einen Hüpfer macht, wenn Du an sie denkst?
  2. Warum hast Du Dich für diese Sportart entschieden? Welches Lebensgefühl kannst Du mit ihr ausdrücken?
  3. Ist Deine Intention nach vorne gerichtet? Hast Du ein Ziel, dass Du erreichen möchtest? Was ist Dein übergeordneter Sinn? Wofür schleppst Du Dich an schlechten Tagen und in herausfordernden Phasen zum Training? 


In diesem Sinne wünsche ich Dir ganz viel Spaß mit Deinem Schweinehund!

Herzliche Grüße Jana

Über die Autorin:

Jana Ritzen ist Coach für Stressprävention und Burnout-Nachsorge. Sie verhilft Vielbeschäftigten und Dauergestressten, die Orientierung in und den Überblick über ihr Leben wiederzugewinnen, indem sie sie ermutigt und bestärkt, Prioritäten zu setzen und NEiN zu sagen, wenn es angebracht ist.

In ihrem ‚ersten Leben‘ lebte Jana ihren Kindheitstraum als Solotänzerin am Staatstheater und lässt sich anschließend zur Personal Trainerin und zum Coach aus- und weiterbilden. Aufgrund persönlicher Erfahrungen ist es ihr ein großes Anliegen, Menschen für ihre persönlichen Grenzen zu sensibilisieren und sie zu bestärken, diese zu setzen und zu wahren, um ein zufriedenes, erfülltes und gesundes Leben führen zu können. Dafür hält sie Vorträge, gibt Workshops und betreibt einen Blog.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Jana, wirklich ein spannender Beitrag!

    Bei dem Lauf-Vergleich ganz am Anfang habe ich mich tatsächlich persönlich angesprochen gefühlt. Vor 6 Jahren habe ich mit dem Laufen angefangen, weil ich mich immer zu dünn fand und eine sportlichere Figur bekommen wollte – ich bin also vor meiner Angst, nicht attraktiv genug zu sein „weggelaufen“. Vor 4 Jahren kam dann noch das Krafttraining dazu, bei dem ich seitdem geblieben bin und verfolge bzw. „laufe“ einem gesünderen Lebensstil nach.

    Den Spaß an der ganzen Sache hast du ja auch ausführlich behandelt. Mir ist genauso aufgefallen, dass Spaß einfach das wichtigste ist. In einem Job, der keinen Spaß macht, geht man irgendwann unter. Eine Beziehung, die keinen Spaß macht, zerbricht irgendwann. Ebenso kann man einen Sport, der keinen Spaß macht, nicht lange machen und wird langfristig nicht so viele und gute Ergebnisse sehen wie mit der persönlich passenden Sportart.

    Danke für den Beitrag und viele Grüße
    Robert

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