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Sportsucht – Kennst du die dunkle Seite des Sports?

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„Sport ist für mich Flucht aus der Wirklichkeit.” Tamás Széchy, ungar. Schwimmtrainer d. Nationalmannschaft

Im Morgengrauen bist du nach zu kurzer Nacht schon 90 Minuten gelaufen. Am Mittag verbringst du deine Pause am liebsten bei einer Stabi-Einheit im Park und am Abend steht regelmäßig die zweite Laufeinheit oder eine Radrunde an?!

Wenn das dein Lebensinhalt ist, du deine Familie und Freunde regelmäßig wegen Sport versetzt, du auch bei Krankheiten und Verletzungen nicht still halten kannst und du nur glücklich bist, wenn du richtig ins Schwitzen kommst, dann gilt es aufzupassen.

Es droht die Sportsucht. Erst recht, wenn dein Training nur Mittel zum Zweck ist und du eigentlich kein Ziel damit verfolgst.

In meiner Anfangszeit hatte ich solche Tendenzen. In meiner Euphorie rannte, radelte und schwamm ich eigentlich dauernd. Es gab fast nichts anderes mehr für mich. Und wenn ich nicht sportlich aktiv war, plante ich meine Sporteinheiten und wälzte Literatur. Es waren aber gar nicht die Stunden im Training. Ich igelte mich immer mehr ein, vernachlässigte meine Wohnung und kapselte mich von meinen normal sportlichen Freunden oder meiner relativ unsportlichen Familie ab. Zum Glück haben sie mich wach gerüttelt und mir gezeigt, wie man sportlich sehr aktiv und trotzdem sozial verträglich Sport treiben kann.

Sport tut dir bekanntlich gut. Das gilt allerdings nur solange es keine selbstzerstörerischen Tendenzen annimmt. Denn es ist erwiesen, dass Sport abhängig machen kann. Es gibt nicht umsonst einen Wikipedia-Eintrag zur Sportsucht.

Warum machst du Sport?

Sport hat viele Vorteile. Es ist prinzipiell sehr gesund und Gesellschaft hoch anerkannt. Sportler werden für ihren Einsatz, ihre Disziplin und ihren Körper bewundert.

Sport baut deinen Stress ab, sorgt für mehr Gesundheit und Entspannung und deine Laune steigt bei Bewegung.

Und noch etwas gibt dir der Sport. Wenige Dinge im Leben sind so gnadenlos ehrlich, wie dein Gefühl (und vor allem die Ergebnisse) beim Sport. Auch kannst du dir und vor allem auch anderen sportlich etwas beweisen.

Alles Dinge, die solange positiv zu bewerten sind, solange sie nicht exzessiv und unreflektiert betrieben werden.

Was ist eine Sucht?

Eine Sucht versucht kurzfristig ein Bedürfnis zu befriedigen, um ein  anderes zu überdecken.

Du kennst sicher das gute Gefühl nach einer gelungenen Einheit. Die dabei entstandenen körpereigenen Stoffe Dopamin und Endorphin sind eine starke Droge.

Bist du süchtig, hält diese Befriedigung nur ganz kurz an und schon nach wenigen Stunden brauchst du neue Nahrung. Wie der Junkie, der nach der Nadel giert.

Dein Affe braucht neuen Zucker und schon gehst du wieder raus, um laufen zu gehen. Egal wie du dich fühlst, egal ob du schmerzende Beine hast oder deine Familie auf dich wartet.

Oftmals steckt gerade bei der Sportsucht dahinter, Schwächen und Misserfolge in anderen Lebensbereichen zu kompensieren und dir durch sportliche Erfolge Anerkennung zu holen. Schließlich ist Leistung das, was in unserer modernen Gesellschaft zählt.

Natürlich ist nicht jeder, der viel Sport treibt automatisch süchtig. Eine Studie der Universität Erlangen und der Universität Halle-Wittenberg hat 2013 gezeigt, dass von 1089 befragten Ausdauer-Athleten rund 4,5 Prozent sportsuchtgefährdet waren.

Das heißt, dass in unserer Facebook-Seite, auf der sich mittlerweile über 13.000 Sportler tummeln, immerhin 600 gefährdet oder bereits süchtig sind.

Fast 5% aller Athleten haben die Tendenz zur Sportsucht. Im Artikel zeige ich dir, woran du es erkennst und was du dagegen tun kannst.

Woran erkennst du eine Sportsucht?

Allein die Tatsache, täglich mehrere Stunden sportlich aktiv zu sein, genügt nicht, um suchtgefährdet zu sein. Dann würde das ja zum Beispiel auch alle Leistungssportler betreffen.

Hast du ein klares Ziel vor Augen und schaffst du es, nach dem Erreichen deines Ziel ausführlich zu regenerieren. Wechseln sich also trainingsreiche Phasen, von solchen mit nahezu absoluter Ruhe ab, so brauchst du dir keine Gedanken machen.

Treffen auf dich jedoch mehrere der folgenden Symptome zu, dann gilt es aufzupassen.

  • Sport ist dein zentraler Lebensinhalt

Job, Freunde oder gar deine Familie – erste Priorität hat bei dir immer der Sport. Bist du dabei nicht selbst aktiv, so planst du deine Aktivitäten und Trainingspläne. Du wachst morgens mit dem Gedanken an Sport auf, denkst tagsüber ständig an dein nächstes Training und abends gehst du mit dem Gedanken an die Einheit morgen früh ins Bett.

  • Du strebst immer nach höher, schneller, weiter!

Auf die ersten 10km folgt der Halbmarathon, auf diesen der Marathon und schließlich kicken dich nur noch extreme Ultraläufe? Ein Halbmarathon lockt schließlich keinen deiner Freunde mehr hinter dem Ofen hervor. Immer extremere Distanzen und Leistungen bringen schließlich immer mehr Bewunderung. Und von diesen Bewunderungen hängt dein Selbstvertrauen entscheidend ab.

  • Dein Training macht dir keinen Spaß – du tust es trotzdem

Ohne Lächeln spulst du dein tägliches Programm ab. Ohne Freude, aber stetig und unabhängig von Wetter, Laune oder kleinem Wehwehchen. Bist schließlich ein harter Hund der Wind und Wetter trotzt! Und überhaupt alle andere Bewegungsformen abseits von deinem Training sind sowieso kein Sport. Das hast du bei deiner letzten Ruhewoche bemerkt, die du nur einen Tag durchgehalten hast, bevor du wieder deine Laufschuhe geschnürt hast.

  • Deine Laune sinkt ohne Sport in den Keller

Schaffst du es wieder Erwarten doch einmal nicht zum Sport, fällt deine Laune schlagartig unter den Nullpunkt. Du wirst launisch, unausgeglichen und lässt deine Laune an deine Mitmenschen aus. Deine letzte größere Verletzungspause hat dich unausstehlich und depressiv gemacht. Das einzige was hilft – noch mehr Sport!

  • Du ignorierst die Warnzeichen deines Körpers

Eine kleine Muskelverhärtung ist kein Grund, nicht trotzdem Laufen zu gehen. Auch eine Erkältung hält dich nicht vom Sport ab – so kleine Dinge wie Blasen oder eingewachsene Fußnägel ohnehin nicht. Du bist nicht so ein Weichei wie die anderen! Was dich nicht tötet, härtet ab – ist dein Lieblingsspruch.

  • Du gefährdest Beziehung und Job

Wenn dir der Sport wichtiger als deine Beziehung ist und auch dein Chef immer öfter die Nase rümpft, weil du als einziger überpünktlich und fluchtartig in Laufschuhe das Büro verlässt, dann kann der Sport eine Gefahr nicht nur für dein Sozialleben, sondern auch für deinen Job sein.

Die Symptome sind dir nicht unbekannt? Achtung – auf onmedia gibt es übrigens einen weiteren Test, der dein Suchtpotential aufzeigt. Mein Ergebnis: „Hohe Bindung an den Sport. Sie sind dem Sport sehr verbunden. Achten Sie darauf, dass Sie sich auch künftig keinem Zwang aussetzen.“

Was sind die Folgen der Sportsucht?

Die Folgen der Sportsucht sind physischer und psychischer Natur.

Dauerhaft körperliche Einschränkungen sind die Folge, wenn du Verletzungen nicht richtig ausheilst. Das berüchtigte „Drüber-trainieren“ ist falsch. Genau so wie die Meinung, das Zipperlein einfach zum Training dazugehören.

Oftmals sind mit Sportsucht auch Essstörungen verbunden. Das Gewicht von süchtigen Sportlern sinkt auf ein ungesundes Niveau. Das gilt nicht nur für Frauen, die unbedingt die Figur eines untergewichtigen Magenmodels erreichen wollen. Auch Bodybuilder auf der Suche nach dem niedrigste möglichen Körperfettanteil sind gefährdet.

Die Folge der Sportsucht ist auch der Griff zu unerlaubten Mitteln. Doping ist längst auch im Amateursport angekommen. Was harmlos mit Voltaren & Co.beginnt, zeigt in einer Studie unter Marathonläufern schon beängstigende Ausmaße. Jeder zweite Teilnehmer an Marathons schluckt schon vor dem Start Schmerzmittel! Da ist der Weg zu verbotenen Substanzen nicht mehr weit.

Und schließlich die psychische Komponente – Einsamkeit, Isolation und Depression sind die Folge exzessiven Sports. Die Betroffenen verlieren völlig den Bezug zum normalen Leben.

Was hilft zur Vorbeugung der Sportsucht?

Wenn der Test weiter oben bei dir eine gewisse Gefährdung ausweist, gilt es ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und der Sucht entgegen zu wirken. Folgende Tipps helfen dir dabei:

  • Befrag deine Partner, deine Partnerin oder nicht so aktive Freunde zu deinem Sportverhalten
  • Schmeiß deinen Trainingsplan weg
  • Gehe mit deinem Partner / deiner Partnerin spazieren statt einer erneuten Laufeinheit
  • Mache einmal jährlich eine längere Pause. Längere Pause heißt dabei ein paar Wochen gar keinen Sport!
  • Schreibe auf, wie du dir einen idealen Tag vorstellst. Was willst du statt des Sports gerne tun? Was auch immer es ist – setze es regelmäßig um.

Bist du sportsüchtig? Ein Fazit…

Schaffst du es nicht selbst, dich aus dem Sumpf zu ziehen, hol dir Hilfe vom Sportpsychologen. Sportsucht ist eine Krankheit und damit viel mehr als ein exzessiv betriebenes Hobby! Auch ist Sportsucht oft nur der Vorwand, um eine andere psychische Störung zu überdecken. Lass dich untersuchen und vor allem lass dir helfen.

Sport soll Spaß machen und keine Sucht sein!

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Ach übrigens – ich wünsche dir mehr Zeit für Sport in deinem Leben.

Über den Autor: Torsten Pretzsch

Torsten ist 2008 von der Couch aufgestanden, um ein sportlicheres Leben zu führen. Begonnen mit einer Laufrunde von nur 15 Minuten lief er Jahre später Marathon und absolvierte einen Ironman.

Als Teamleiter und Projektmanager war dieser Weg nur durch gutes Selbstmanagement möglich.

Hier im Blog unterstützt er dich, endlich mehr Sport zu machen. Mehr über Torsten…

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3 Kommentare

  1. Hi Torsten,

    dein Zahlenspiel mit den 600 Sportsucht-Gefährdeten in deiner Community finde ich sehr interessant. Ich hab mir ähnliche Gedanken in Bezug auf Deutschland auch schon gemacht. Meine Daten weichen zwar etwas von deinen ab, aber selbst bei einem Prozentsatz von 1% wären es für die deutsche Bevölkerung auch schon ca. eine halbe Million Betroffene. Tatsächlich kann ich mir aber gut vorstellen, dass es eher mehr sind; gerade die Dunkelziffer ist ja immer ungewiss hoch. Und wenn man sich die Sportler- und Fitnesscommunity mal genauer anschaut, erscheint mir eine höhere Zahl sogar realistischer, auch weil in den vergangenen Jahren der Fitnesstrend ungebrochen ist.

    Ich hoffe sehr, dass durch solche Artikel mehr Menschen auf das Phänomen aufmerksam werden und den Betroffenen geholfen wird!

    Beste Grüße,

    Lotta

  2. Hallo Torsten

    Du sprichst ein wichtiges Thema an. Aus meiner Erfahrung ist der Übergang fliessend. Zum Glück war ich nie davon betroffen.

    Ich habe jedoch Personen in meinem Unfeld erlebt, die richtig Stress bekommen haben, wenn sie eine Trainingseinheit auslassen mussten.

    Sport darf auch bei viel und intensivem Training Spass machen.

    Insbesondere der Punkt „Körper ignorieren“ ist zentral. Ein guter Sportler spürt seinen Körper und seine Bedürfnisse.

    Erstaunlicherweise ist das auch bei Leistungssportlern oft ein Knackpunkt. Sie spüren sich und ihren Körper nicht oder zu wenig. Auch das ist eine Fähigkeit die jeder trainieren sollte.

    Wenn du deine Bedürfnisse wahrnimmst, dann bist du gut unterwegs.

    Mit NUR Sport ist es wie mit NUR Arbeit. Langfristig führt das in eine Sackgasse. Abwechslung schadet nie. Im Training setzten wir auch unterschiedliche Reize.

    Auch unser Kopf wird gerne durch verschiedene Reite gefordert. Da kann ein Abendessen mit Freunden oder ein Ausflug in die Stadt Wunder bewirken und die Batterien wieder füllen.

    Toll geschrieben!

    Lieber Gruss

    Martin

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