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Mein Durchbruch – wie ich zum Sportler wurde

wie ich zum sportler wurde

 „Ich müsste mehr Sport machen.“

Kennst du diesen Satz? Ich kannte diesen Satz in den ersten Jahren des aktuellen Jahrtausends – sehr gut sogar! Immer wieder hatte ich ihn mir vorgesagt und immer wieder war die Euphorie nach wenigen Stunden, manchmal auch nach einigen Tagen vorbei.

“Ich müsste mehr Sport machen.”, war der  Leitspruch meines Lebens geworden.

Kotzend am Gardasee – Mein Schlüsselerlebnis

Zum Jahreswechsel 2008 reifte in mir die Erkenntnis, dass es so in meinem Leben nicht weiter gehen konnte. Ich arbeitete regelmäßig zu viel, ernährte mich schlecht, war Raucher und weit weg vom Fitnesslevel, welches ich als Hobby-Tennisspieler Jahre zuvor hatte.

Doch da war noch etwas anderes. Eine latente Unzufriedenheit mit meinem Leben machte sich breit und damit verbunden eine Antriebslosigkeit, um daran etwas zu ändern. Sport fand fast nur noch im Fernsehen statt und die wenigen Male, bei denen ich mich dazu aufraffte, hatten weniger mit Vergnügen und viel mehr mit Qual zu tun. Ich hatte völlig die Lust und den Spaß an der Bewegung verloren.

Mit Schrecken denke ich an ein Erlebnis auf dem Mountainbike. Mit drei Freunden fuhren wir zum Männer-Wochenende an den Gardasee, um dort ein paar Touren in wunderschöner Umgebung zu unternehmen. Gesagt, getan – schließlich war ich nicht das erste Mal dort. Aber wohl konditionell noch nie so schlecht drauf.

Es war für den frühen Zeitpunkt im Jahr sehr heiß. Schon die ersten Meter des ersten Anstieg ließen mich wie eine Dampflok schnaufen und nach einer Zigarette verlangen. Oder besser ich verfluchte eher in diesem Moment die letzten Schachteln gewaltig. Dabei behauptete ich bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit, dass Rauchen purer Genuss ist und ich das gern tat.

Meine Freunde hatten mich bereits nach wenigen Höhenmetern abgehängt und der Frust stieg mit wachsendem Abstand. Was war nur aus mir geworden? Sport spielte in meinem Leben immer eine große Rolle. Als Kind probierte ich viel aus, spielte Fußball und Handball, ehe ich mit Tennis meinen Sport fand. 15 Jahre rannte ich der gelben Filzkugel mit viel Spaß und wenig Erfolg hinterher. Was mir aber mangels sportlichen Ehrgeiz nur wenig ausmachte. Ich wollte nie der Beste sein, sondern hatte Spaß an der Bewegung und an dem persönlichen Fortschritt.

Spaß, den ich in diesem Moment im Anstieg am westlichen Gardasee längst verloren hatte. Wieso tue ich mir das hier eigentlich an? Ich könnte jetzt bei einem Weißbier am See die Aussicht und das Leben genießen. Statt dessen fluche ich bei jedem Tritt in die Pedale und der Abstand zu den selbst nicht super fitten Freunden wächst immer mehr. Erst einmal Pause und trinken – ich kann nicht mehr und schwitze wie ein…

Wann habe ich eigentlich meine bescheidene Fitness verloren? Es muss wohl irgendwann nach dem Ende des Studiums gewesen sein. Ich zog damals endgültig nach München und begann zu arbeiten. Gehört sich schließlich so. Und es war auch eine spannende Zeit. Endlich nicht mehr lernen, sondern machen; endlich etwas Geld in der Tasche. In einer kleinen Firma konnte ich mich als Ingenieur ausleben. So hatte ich mir den Einstieg in das Berufsleben vorgestellt. Da ist es nur logisch, dass Privatleben und körperliche Fitness etwas kürzer treten mussten. Schließlich war ich am Abend – nach Stunden geistiger Arbeit meist viel zu müde für Bewegung. Und die wenigen Tennis-Freunde, die ich in München hatte, waren in ähnlicher Situation und so ergab sich auch kein Match.

Zurück zum Gardasee – die Freunde rollten den Berg zu mir herunter und musterten mich misstrauisch. Ob ich eine Panne habe oder mein Rad streike, fragten sie. Nein – die Technik war in Ordnung. Ich war es, der hier versagte. Das sagte ich ihnen natürlich nicht: “Alles ok – hab wohl gestern was schlechtes gegessen und bin heute nicht so fit.”, war meine miese Ausrede. Ich erntete skeptische und mitleidige Blicke und wir fuhren schweigend weiter.

Mit jedem Jahr der Berufstätigkeit wurden die sportlichen Aktivitäten seltener. Im Sommer hin und wieder eine Runde mit dem Rad in den Biergarten oder eben zweimal im Jahr ein langes Wochenende in den Bergen; im Winter ab und zu Skifahren mit dem dazugehörigen Einkehrschwung – das war es auch schon an sportlicher Betätigung. Der Rest meines Bewegungsradius fand zwischen Job,  Couch und den Kneipenbesuchen mit Freunden am Wochenende statt. Sport gab es dabei jede Menge – aber eben nur im TV…

Und die Konsequenz spürte ich nun im Anstieg am Gardasee – einen Anstieg, der gefühlt nie endete. Schon wieder lagen einige hundert Meter zwischen mir und den Freunden. Ich fluchte, aber ich wollte nicht aufgeben. Störrisch und mit hochrotem Kopf trat ich eisern in die Pedale. Stoppte alle paar Meter zum kurzen Durchschnaufen und schob mich weiter in atemberaubender Geschwindigkeit einer Schnecke den Berg hinauf.

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Endgültig zur Nummer 1 wurde mein Job nach einem Wechsel des Arbeitgebers, um die bescheidene Karriere zu befeuern. Plötzlich wurde aus einem normalen Ingenieursjob ein Job mit 50-60 Stunden Arbeit die Woche und zusätzlich einem zweistündigen Arbeitsweg täglich. Mit jeder Menge Reisetätigkeit und einem Projekt, was in Zeiten der Finanzkrise einem Himmelfahrtskommando gleich kam. Auch hier war es der Ehrgeiz, der meine Kollegen und mich antrieb. Und das Pflichtbewusstsein, denn das hatten mir meine Eltern beigebracht: “Pflicht erfüllen. Jeden Tag zur Arbeit gehen. Malochen und funktionieren – auch als Ingenieur. So ist das im Leben!” Der Spaß war schnell weg und mit ihm schwand die Zufriedenheit. Wo war die Unbeschwertheit der Jugend, wo der Frohsinn? Das war also der Ernst des Lebens, von dem meine Eltern immer erzählten. Toll?! Ich wurde negativ, sarkastisch und unzufrieden – mein Glas immer halb leer.

Leer war ich auch längst auf den letzten Metern des Anstiegs. Locker plaudernd warteten die Freunde auf der Anhöhe (einen Gipfel konnte man das nicht nennen). Ich war am Anschlag, am Ende und als ich oben angekommen war, fiel ich förmlich vom Rad. Mein gesamtes Frühstück, das Zuckerwasser und die zusätzlichen Müsliriegel, die ich mir reingeschoben hatte, bahnten sich ihren Weg nach draußen. Die Kotzgrenze war überschritten. Die Reaktion meiner Freunde: Ungläubige Blicke verbunden mit der Frage, ob ich ok bin. Als sie bemerkten, dass es tatsächlich nur Erschöpfung war, wurde aus ungläubigen Blicken ein Schmunzeln und im weiteren Verlauf des Tages (und auch der Folgemonate) Hohn und Spott. Danke auch! Recht hatten sie aber…

Schlüsselerlebnis Nr. II – im Übermut zum Triathlon

Dieses Erlebnis hat sich eingebrannt – so sollte es nicht weiter gehen. Doch wie sollte ich es ändern? Bei einer stressigen Inbetriebnahme beim Kunden lernte ich einen Kollegen kennen. Er hatte deutliches Übergewicht und saß jeden Abend – genau wie ich – beim Griechen mit Bier und den entsprechenden reichhaltigen Speisen. Das Gewicht der Waage hatte längst auch bei mir die daraus resultierende Richtung eingeschlagen.

An einem dieser Abende kamen wir auf das Thema Sport zu sprechen. Zögernd erzählte er, wie er in den Neunzigern erfolgreich Triathlon gemacht hat . Ich spitzte meine Ohren – Triathlon! Wie gebannt schaute ich jedes Jahr den Bildern aus Hawaii zu. Was für Athleten – die es schaffen 3,8 Kilometer zu Schwimmen, um dann 180 Kilometer Rad zu fahren und schließlich auch noch einen Marathon von 42km zu laufen. Für mich eine unvorstellbare und nahezu unmenschliche Leistung – aber auch unheimlich faszinierend. Faris Al-Sultan und Norman Stadler – die deutschen Helden der 2000-er Jahre waren mir sehr geläufig. Sonst kannte ich keinen aktiven Triathleten.

Mein Kollege kam langsam in Fahrt und schwärmte weiter von früher und sagte auch, dass der Einstieg mit einer kurzen Distanz für jeden machbar sei. Und wenn er das mit seinen 20 kg Übergewicht sagt, wird da was dran sein. Vielleicht sollte ich es auch mal probieren. Er wollte auch wieder beginnen – der Tribut an Familie und Job hatte ihm die zusätzlichen Kilos beschert und die müssten wieder weg.

Warum nicht? Und so meldete ich mich in einem kurzen Anflug von Übermut für einen Volkstriathlon an. Einen Triathlon – 400 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen?! Ich, der sich gerade einmal so mit Brustschwimmen über Wasser halten kann. Ich, der nichts außer ein schweres und altes Mountainbike besaß und ich, für den 15 Minuten am Stück zu joggen, ein Ding der Unmöglichkeit war. Doch es waren noch gut 4 Monate Zeit und so trabte ich los und stand im Mai 2008 beim Münchner Stadttriathlon am Start.

Der Weg dahin war allerdings nicht so leicht, wie es klingt. Meine Raucherlunge in Verbindung mit der nicht vorhandenen Kondition und den überflüssigen Kilos auf den Rippen machten vor allem das Laufen zur Qual. Anfangs versuchte ich eisern zu laufen, doch irgendwann wechselte ich zwischen Laufen und Gehen. Erst dadurch stellten sich schnell Fortschritte ein und das war der Motivation sehr zuträglich – denn vor den 5 Kilometer Laufen am Schluss hatte ich die meiste Angst.

Das geringste Problem war das Rad. Auch wenn es zu diesem Zeitpunkt Winter war und an Radfahren (damals) nicht zu denken, die 20 Kilometer würde ich schaffen. Skeptischer war ich beim Schwimmen. Ich hatte erst mit 10 überhaupt Schwimmen gelernt und Wasser war nie mein Element. Kraulen konnte ich nicht, da bekam ich nicht einmal zwei Armzüge ohne abzusaufen hin. Und Brustschwimmen kannte ich so, dass man den Kopf immer sehr weit aus dem Wasser recken musste – so wie es die Hausfrauen tun, die ihre Frisur nicht nass machen wollen. Die Haare waren bei mir nicht das Problem, die Technik war jedoch mies und nach wenigen Bahnen schmerzte der Nacken. Irgendwann schaute ich mir an, wie man richtig schwimmt und schaffte so schließlich auch die 400 m bei meinem ersten Triathlon.

Was soll ich sagen – es hat Spaß gemacht und letzter wurde ich auch nicht. Im Gegenteil, da waren durchaus nicht wenige hinter mir. Und nun? Wie weiter? Erst einmal nachdenken. Im Sommer 2008 setzte ich mich dafür allein auf das Rad und fuhr in knapp zwei Wochen die Elbe entlang. So etwas hatte ich noch nie gemacht und diese „Reise zu mir selbst“ veränderte mich hin zu einem sportlicheren Leben.

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Meine Reise zu mir selbst

Bei dem einen war es der Jakobsweg, bei mir eben der Weg von Cuxhaven in die sächsische Schweiz. Knapp 1000km bestens ausgebauter Radweg lagen vor mir. Der Triathlon hat mir genug Selbstvertrauen gegeben, dass ich diese Reise antrat. Eine Mehrtagestour auf dem Rad war Neuland für mich. Und ich war allein. Ganz bewusst hatte ich mich dafür entschieden, ganz allein unterwegs zu sein.

Nicht nur meine Beine und mein Hintern standen die 14 Tage auf den Prüfstand, auch mein Kopf. Ich wollte nachdenken über mich, über mein Leben. Über Glaubenssätze, die sich bei mir eingebrannt hatten. Glaubenssätze, die mir im Weg standen und mich extrem behinderten.

“Ich habe einfach nicht genug Zeit, um regelmäßig Sport zu machen.” Ein Satz, den ich gebetsmühlenartig immer sofort parat hatte, wenn es um das Thema Sport ging. Innerlich hieß das übersetzt: “Mir fehlt der Mut, meine Komfortzone zu verlassen. Ich schaffe das doch sowieso nicht. Dafür bin ich zu alt.” Mit Mitte 30 – wie lächerlich das doch mit dem Abstand mehrerer Jahre klingt. Damals war es mir ernst und ich hatte keine Zweifel daran.

Zweifel, die auf dem Sattel meines treuen Mountainbikes von Tag zu Tag weniger wurden. Die Schmerzen im Hintern stiegen proportional mit dem Spaß, den ich an der Fahrt hatte. Es war unglaublich, nur das Rad, ich und meine Beine, die dem nächsten Tagesziel entgegen strampelten. Was bedeutet da schon ein schmerzendes Sitzfleisch?

Mit jedem Kilometer, den ich der sächsischen Schweiz näher kam, stiegen das Selbstvertrauen und die Einsicht, dass Sport einfach in mein Leben gehört. Dass ich ihn brauche, um meine Laune hoch zu halten, um zu entspannen und für meine Ausgeglichenheit. Einfach –  damit es mir gut geht. Am Ende der 12 Tage war ich stolz. Eine Reise an der Elbe entlang ist keine sportliche Höchstleistung, kein wildes Abenteuer und bedeutete mir dennoch so unendlich viel. Ich hatte mir bewiesen, dass ich es immer noch kann und am meisten war ich stolz darauf, dass ich jeden Tag ein bisschen schneller wurde und auch ein paar Kilometer weiter fuhr. Glücklich hatte ich es bewiesen – ich kann es und es tut mir gut! Meine Umgebung registrierte meine beginnende Veränderung mit Wohlwollen.

Und wie hast du angefangen?

Nun kennst du also die Geschichte meines Starts, die übrigens ein kleiner Auszug aus meinem Buch „Endlich mehr Sport – Das Geheimnis der Dranbleiber“ ist. Dort findest du auch die Fortsetzung, denn heute sieht mein Leben etwas anders aus. Wenn dein Leben sich auf ähnliche Art und Weise ändern soll, dann ist das Buch genau das richtige für dich.

Und wie ist deine Geschichte? Erzähle uns doch in den Kommentaren von deinem Schlüsselerlebnis. Ich freue mich auf spannende Geschichten!

Ach übrigens – ich wünsche dir mehr Zeit für Sport in deinem Leben.

Dein Torsten…

Über den Autor: Torsten Pretzsch

Torsten ist 2008 von der Couch aufgestanden, um ein sportlicheres Leben zu führen. Begonnen mit einer Laufrunde von nur 15 Minuten lief er Jahre später Marathon und absolvierte einen Ironman.

Als Teamleiter und Projektmanager war dieser Weg nur durch gutes Selbstmanagement möglich.

Hier im Blog unterstützt er dich, endlich mehr Sport zu machen. Mehr über Torsten…

Und das meinen die Leser:

Ein toller Blog mit einem motivierenden Trainer und einer tollen Gemeinschaft!

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Jörg Vahlbruch
*Affiliate-Links – du bekommst ein gutes Angebot natürlich ohne Zusatzkosten für dich und ich finanziere damit den Blog.

6 Kommentare

  1. Ich selbst fahre sehr viel Fahrrad. Aber so etwas wie bei dir 🙂 Top LEISTUNG!

  2. 1000 Kilometer ist ne gute Leistung. Davor habe ich großen Respekt. Muss man erst einmal schaffen!!

  3. Wieder mal gut beschrieben. Ach, ich lese deine Blogs sehr gerne. Sehr unterhaltsam, aufrichtig und authentisch. Ich erkenne Parallelen und bin froh das ich gerade auf dem richtigen Weg bin. Freue mich auf viele weitere Stories

  4. „Ich wollte nie der Beste sein, sondern hatte Spaß an der Bewegung und an dem persönlichen Fortschritt.“
    So geht es mir noch heute und komme mit dieser Einstellung wunderbar klar.

    Meine Geschichte ist größtenteils in meinem Blog nachzulesen. 😉

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